Author Archives: Prof. Dr. Andrea Back

  • Mein Neinsag Freund und Helfer

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    Man muss auch mal Nein sagen. So betitelte die FAZ kürzlich (6.10., Rubrik Beruf&Chance) einen Artikel, in dem es um die besonders kollegialen Kolleginnen und Kollegen geht, die sich mit dem Neinsagen schwertun, wenn sie für eine Aufgabe oder ein Projekt angefragt werden. Die Autorin Kals beruft sich darin auf eine Emnid-Studie, in der 81 Prozent der Befragten angaben, ja zu sagen, wenn jemand sie um etwas bittet, obwohl sie sich hinterher ärgern.

    Nun gibt es ja für alle Lebenslagen ein digitales Helferlein. Wenn Sie sich auch zu dieser Mehrheit zählen, antworten Sie doch bei der nächsten Anfrage, dass Sie so etwas neuerdings immer mit Ihrem digitalen AI (Artificial Intelligence)-Assistenten abstimmen. Hier ist er oder sie: http://shouldidoit.glitch.me/index.html. (Der guten Ordnung halber sei gesagt, dass das kein KI-Algorithmus ist, sondern ganz simpel regelbasiert, aber in solchen Fällen soll es erlaubt sein, etwas dick aufzutragen).

  • Kolumne: Unsere Abwesenheitsmeldungen im eMail sagen mehr als Out-of-Office

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    Wann haben Sie das letzte Mal Ihre eMail-Abwesenheitsmeldung neu formuliert? Ich bei meinen letzten Ferien im Sommer. Sie lautete so: „Per default offline-time“, mit dem Nachsatz „Ab 15. September werde ich meine E-Mail-Inbox wieder regelmässig bearbeiten. Am Lehrstuhl ist mein Sekretariat telefonisch für Dringendes erreichbar“. Erstmals erhielt ich darauf eine persönliche Rückmeldung. Eine Kollegin schrieb mir: „Sehr coole Meldung – brauche ich auch!“. Sie ist wohl nicht die einzige, die sich darüber Gedanken macht, wie die eigene Out-of-Office-Notiz lauten soll, Es finden sich dazu auch zahlreiche Beiträge im Netz. Z.B. sinniert dieser Artikel von The Atlantic  „The Most Honest Out-of-Office Message“ über einige besondere Exemplare. Darunter ist auch die Variante mit der Ankündigung, dass alle Maileingänge während der Urlaubszeit gelöscht werden. Das ist ganz schön radikal! Aber auch ich habe schon solche Rückmeldungen bekommen, mit der Bitte, dass ich meine Nachricht nach dem Ferienende nochmal senden soll.

    Wie fühlt man sich da? Also ich reagierte ziemlich sauer, weil das zwar ein toller Filter für den Empfänger ist, aber auf Kosten meiner Zeit geht. Als sich diese emotionale Erstreaktion beruhigte, konnte ich dem Befreiungsschlag auch Positives abgewinnen. Also sich fügen – nur will man mit seinen E-Mails die To-dos ja auch erledigt und aus dem Kopf haben. In Mailprogrammen gibt es die Funktion, sie zeitverzögert zu senden. Wer das ausprobiert, dem geht es vermutlich wie mir: Es ist in Outlook ziemlich versteckt, und dann traut man der Sache nicht so ganz – wohl zurecht, wie man hier lesen kann: Wie man eine E-Mail zeitversetzt versendet. Da müssen noch User-Experience-Designer Hand anlegen, bevor man geneigt ist, diese Funktion zu nutzen.

    Aber zurück zum Feedback „brauche ich auch!“  von meiner Kollegin. Damit meint sie bestimmt nicht, dass sie so eine Meldung braucht, sondern dass sie sich in den Ferien gerne auch „offline“ verhalten würde; sprich der Selbstkundgabe-Gehalt ist ein anderer als die Sachaussage. Das lehrt uns ja das Vier-Ohren-Kommunikationsmodell von Schulz von Thun. Dieses eignet sich auch hervorragend, wenn man seine Out-of-Office-Meldung sehr überlegt formulieren will: Fragen Sie sich, was in Ihrer automatischen Mail-Antwort drin stecken sollte, und was nicht hinsichtlich: Sachaussage – Selbstkundgabe – Beziehungsaspekt und Appell. Ich bin überzeugt, dann kommt eine Neuformulierung heraus. Teilen Sie uns Ihre doch gerne in der Kommentarfunktion mit, und dann natürlich schöne Ferientage!

  • Triple Overload: Immer hochgradig beschäftigt

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    Warum sind wir immer so beschäftigt? Das Whitepaper „Dreifache Überlastung und was du dagegen tun kannst“ von Evernote Schweiz hinterfragt dieses verbreitete Leidensgefühl. Dieses wird gespeist von Daten-, Kommunikations- und kognitiver Überlastung. Lesenswert besonders wegen der vielen konkreten Tipps, wie man die Kontrolle über seinen Arbeitstag zurückgewinnen kann. Und keine Sorge, es geht keinesfalls um neue „coole“ Tools, eher um einfache, kleine neue Gewohnheiten.

    Bildquelle: https://twitter.com/ijukes/status/689549206088880128
  • Wie Videoüberwachung einen neuen Make-up-Stil hervorbringt

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    Die Algorithmen zur Gesichtserkennung werden immer besser und die Dichte von Videokameras, die uns erfassen, immer grösser. Wenn man im kassen- und scannerlosen Supermarkt Amazon Go einkaufen will, kommt man nicht umhin, dass zig Kameras schauen, welches Produkt man aus dem Regal genommen hat, und die vermutlich auch erkennen könn(t)en, wer man ist. Dass dies auch im öffentlichen Raum technisch möglich ist und sich ausbreitet, gefällt nicht jedem.

    Ohne sein Gesicht verhüllen zu müssen, gibt es ansprechende, ja sogar regelrecht modische Möglichkeiten, den Algorithmen ein Schnippchen zu schlagen und unerkannt zu bleiben. Im Look Book des CV-Dazzle-Projekts können Sie sich Anregungen und Styling Tipps holen – auch für Männer. Wenn das zum weltweiten Trend wird, so wie z.B. die löchrigen Jeans, dann darf sich die Kosmetik- und Coiffeurbranche auf einen rechten Wachstumsschub freuen.

    Bildquelle: www.galaxus.ch/de/page/schminke-gegen-kamera-wie-du-elektronisch-unsichtbar-wirst-8626
  • Kolumne: Meine Aufmerksamkeit gehört mir

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    Neulich beim Grillabend habe ich eine Unterhaltung von Jugendlichen mitbekommen. Sie nutzen die Snapchat App für Instant Messaging und es ging darum, wie sie ihr/e „Flämmchen“ behalten. Dafür muss man wohl jeden Tag, wirklich ausnahmslos JEDEN, mindestens eine Nachricht senden – irgendwas – um diesen Status nicht zu verlieren. Von „Müssen“ war aber nichts zu spüren, ich hörte nur spielerische Begeisterung heraus. Verstehen Sie das?

    Mein erster Impuls jedenfalls war Abwehr. Was ??! Da schafft es so ein simples Feature, dass jemand – gar schon beim Aufwachen – daran denkt, dass das ganz oben auf der Tages-To-do-Liste steht. Das ist doch, als würde meine Aufmerksamkeit ge-kidnappt! Unversehens wird so etwas zur Gewohnheit.

    Auf den Kolumnentitel bin ich gekommen, weil ich an das neueste Buch meiner Uni-Kollegin Miriam Meckel denken musste, das „Mein Kopf gehört mir“ heisst. Sie schreibt über das Brainhacking, d.h. das Manipulieren unseres Gehirns. Mit Drogen hat der Mensch das ja schon immer gern gemacht, und man kann das in Zukunft durch Hirnleistungsdrogen und Computerchip-Implantate noch weitertreiben. Während es im positiven Sinne die Seite des selbstbestimmten Hirn-Tunings geben wird, was z.B. die Cyborgs vormachen, gibt es auch die negative Seite, wo sich damit Tür und Tor für Fremdmanipulationen öffnen. Wir müssen aber gar nicht auf physische Mensch-Maschine-Schnittstellen warten, denn Vorboten der Entwicklung, dass wir allein durch psychologische Tricks die Hoheit über unser Hirn und Denken verlieren, sind schon allgegenwärtig.

    Was ich damit meine? Ähnliches wie beim Ohrwurm, also Musik im Kopf, die sich willentlich kaum abschalten lässt, was wir aber immerhin als lästig empfinden. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass gedruckte Werbeplakate immer mehr durch Bildschirme mit Bewegtbild ersetzt werden? Ist das nicht auch lästig? Es ist nämlich sehr schwer, da bewusst nicht mehr hinzuschauen. Besonders manipulativ fand ich das an einem Flughafen, wo es an den Gepäckbändern vor lauter geschickt platzierten Bildschirmen gar keine Möglichkeit gab, mit dem Blick auszuweichen, da man ja seinen Koffer erspähen will. Ähnlich geht es mir mit den vielen Gutscheinen, die man beim Einkaufen bekommt. Wenn man sie aufhebt, krallen sie sich im Denken fest wie eine Zecke, denn man muss immer wieder dran denken, weil man ja nicht verpassen will, sie einzulösen. Das baut auf unsere Veranlagung, die es uns viel schwerer erscheinen lässt, etwas zu verlieren, das wir zu haben glauben, als etwas dazu zu bekommen. Wenigstens kann ich solche Coupons ablehnen oder gleich löschen bzw. wegwerfen, um mich dem zu entziehen. Die digitalen Möglichkeiten werden es aber immer schwerer machen, dem „Meine Aufmerksamkeit gehört mir“ zu folgen. Aber vielleicht wollen die meisten das gar nicht negativ sehen – so wie die Jugendlichen bei Snapchat eher ihren kreativen Spieltrieb herausgefordert sahen?

    Foto: Fabio Berti, Dreamstime.com

  • Digital Natives – eine Legende

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    Was Tobias Zimmermann im Blog unter seiner Rubrik „Urban Legends“ schreibt, könnte man auch nennen: Was Sie schon immer über Digital Natives wissen wollten. In seinem Beitrag erfahren Sie, dass es die Digital Natives gar nicht gibt, zumindest nicht, was sich dazu in den Köpfen vieler Bildungsverantwortlicher festgesetzt hat.

    Foto: Universität St.Gallen, Hannes Thalmann

  • Data-Literacy-Kompetenzen vermitteln

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    Von Digital Literacy hat man schon viel gehört, weniger aber über Data-Literacy. Für das Hochschulforum Digitalisierung hat die Gesellschaft für Informatik gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software-Engineering (IESE) ein Arbeitspapier (Nr. 32, Mai 18) verfasst, das Definitionen und den aktuellen Kenntnisstand dazu umfasst. Die Druckversion kann hier frei heruntergeladen werden.

  • Lernen ist Thema im Internet Trend Report 2018

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    Jedes Jahr wird es Ende Mai spannend, wenn der jährlich neue Analystenreport zu Internet Trends herauskommt und von Mary Meeker vorgetragen wird. (Es sind diesmal knapp 300 Seiten, aber durch das Folienformat kann man recht schnell einen Überblick gewinnen). Für Lehrveranstaltungen zur Internetwirtschaft und Digitalstrategien ist er ein Füllhorn von fundierten Daten und Einsichten, was weltweit die beachtenswerten aktuellen Entwicklungen sind.

    Bemerkenswert ist, dass in 2018 bereits im Vorspann (Folie 3) das Themenfeld „Lernen“ angesprochen wird: „We focus on … ways in which the Internet is helping consumers … find learning opportunities.“ Auf Folie 231 werden als Wachstumstreiber des 21. Jahrhunderts Rechnerleistung und „Human Potential“ genannt – für das 19. und 20. Jhd. sind Manufacturing&Industrie genannt. Am Beispiel des Wachstums von Coursera-Nutzern wird veranschaulicht, dass Weiter-/Bildungsmöglichkeiten durchs Internet leichter zugänglich sind und auch zunehmend genutzt werden. Welche Kurse sind wohl unter den meistgebuchten in 2017? Unter den Top3 ist jedenfalls einer mit dem Titel „Learning how to Learn“ (Folie 233). Wie stark sind die Abos von Online-Lernangeboten in den letzten 5 Jahren gewachsen? Folie 234 (MM: Million) hat die Antworten u.a. für Kahn Academy, TED-ed, und asap SCIENCE. Wie entwickeln sich das Lernengagement von Mitarbeitenden und die Investitionen von Unternehmen dafür, und wie sieht es diesbezüglich mit Freelancern aus? Natürlich enthalten diese Seiten bei weitem nicht alle Erkenntnisse, die man aus dem Blickwinkel von Lernen und Bildung aus dem Report ziehen kann. Weitere Schlüsse („Insights“), die ein Fachvertreter für betriebliche Bildung aus der Lektüre zieht, sind hier übersichtlich dargestellt.
    Es wird interessant sein zu sehen, welchen Raum das Thema Lernen – oder Re-Skilling bzw. Future Skills – im nächsten Internet Trend Report 2019 einnehmen wird.

    PS: Mary Meeker’s Vortrag zu den Folien findet sich als Video hier – 300 Folien in 30 Minuten (man kann ja auf halbe Wiedergabegeschwindigkeit einstellen):

  • Call for Papers

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    Als Mitglied in den Programm-Komitees möchte ich Sie auf folgende Call for Papers aufmerksam machen:

    GeNeMe 2018 (24. – 26. Oktober 2018)
    Die GeNeMe 2018 untersucht innovative Praktiken in Wirtschaft, Politik sowie Verwaltung und benennt Bedarfe für die Forschung zu Methoden und Werkzeugen der digitalen Ökonomie. Gerade die wissensbasierte Zusammenarbeit verlangt doch in Online-Gemeinschaften (Online Communities) nach einer interpretationsstarken Analyse. Deadline für die Einreichung von Beiträgen: 31.07.2018. Detaillierte Informationen finden Sie hier.

    WI 2019 (24. – 27. Februar 2019)
    Track Chairs des 4. Tracks „Lern- und Wissensmanagement (eLearning and Knowledge Management)“ sind Prof. Dr. Matthias Schumann und Prof. Dr. Ronald Maier. In diesem Track wird eine Plattform zur Diskussion von Beiträgen zum Lern- und Wissensmanagement aus (betriebs-)wirtschaftlicher, managementorientierter, organisatorischer, sozialer, technologischer und gesellschaftlicher Perspektive angeboten. Deadline für die Einreichung von Beiträgen: 31.08.2018. Informationen finden Sie hier.

     

  • Beyond the End of Work: Es ist rational, optimistisch in die Zukunft zu blicken

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    Als Zusammenfassung und Nachlese zum 48. St. Gallen Symposium, „Beyond the End of Work“ (Highlights-Video: https://youtu.be/yDJAY5OIarQ) fand erstmals das Public Forum statt, denn technologischer Fortschritt durch Robotics und Artificial Intelligence, mehr gleichzeitig arbeitende Generationen und eine neue Haltung zur Arbeit sind Themen, die eine breite Öffentlichkeit interessieren.

    Prof. Dr. Patrick Emmenegger, an der HSG Professor für Politikwissenschaft, hat sein Resümee des Symposiums in 5 Thesen vorgetragen. Ich liste diese sinngemäss und etwas ausführlicher als in den Presseberichten auf, denn ich finde sie gehaltvoll und man hat dies so nicht schon hundertfach gelesen:

    • Die Arbeit wird uns nicht ausgehen. Denen, die durch die Veränderungen unter Druck geraten, muss geholfen werden.
    • Investitionen in Humankapital, sprich Bildung – und Nutzung von Fachkompetenz durch Einwanderung, sind essentiell. Nicht nur die Hochschulbildung, auch die Berufsbildung muss sich weiterentwickeln.
    • Flexible Arbeitsformen werden einen weiter stark wachsenden Anteil haben. Es besteht jedoch die Gefahr von prekären Arbeitsverhältnissen. Ein Lösungsweg ist „Flexicurity“. Ein stabiles, soziales Sicherheitsnetz für alle macht die wirtschafsförderliche Flexibilität menschengerecht.
    • Wie sich schon in der Vergangenheit zeigte, bringen neue Technologien mehr Chancen als Gefahren. Politik und Wirtschaft müssen deshalb zukunftsgerichtet gestalten und „alte Zöpfe“ abschneiden, um für ihr Land Innovationen den Weg zu bahnen.
    • Wenn neue Technologien eine Chance sind, WER leistet dann die nächsten grossen Innovationen? Die Beispiele von GPS, Touchscreen, Mobiltelefon, Prozessoren und Batterietechnik zeigen, dass am Anfang staatliche Innovationen (Militär, Hochschulen) standen, da diese Ideen mit grossen Investitionen bei hohen Risiken verbunden sind. Wenn dann bei der Kommerzialisierung durch private Unternehmen mit Steuervermeidung Rückflüsse in den Staatshaushalt vermieden werden, stimmt etwas nicht.

    Sehr gut gefallen hat mir auch sein Fazit: Es ist rational, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Wer sich überzeugen will, dass das Glas mindestens halb voll ist, kann sich die Lektüre des Buchs von Matt Ridley: „The Rational Optimist“ vornehmen.