Corona-Quarantäne als Zeitgeschenk der Möglichkeiten

Eigentlich ist es zum Heulen, und zuweilen kriecht auch Angst unter die Haut. Was macht man gegen solche Corona-Gefühle? Humor tut als Auflockerung immer gut. Herzlich lachen musste ich z.B. über diese komödiantische Inszenierung des Händewaschens: https://twitter.com/BBCHoseinSharif/status/1233368399578849280.

Vor Lost-in-Hyperspace der Spassvideos schrecke ich aber zurück. Lieber verliere ich mich in eigene Fantasien über eine traumhafte Welt. Und so habe ich mir ausgemalt, wie meine häusliche Quarantäne – dieses Zeitgeschenk an Möglichkeiten – aussehen könnte, um auch entsprechend vorzusorgen.

Wenn rundum Verzicht angesagt ist, dann sicher nicht daheim! Während Vorratseinkäufer den Umsatz von Tütensuppen in die Höhe treiben – laut GfK anfangs März eine 112% Steigerung gegenüber der Vorwoche – habe ich zuerst einen Champagner-Vorrat angelegt, mein Kaffeesortiment verbreitert und beste dunkle Schokolade eingelagert. Statt Büchsenessen stand bei mir tiefgekühltes Frischgemüse auf dem Einkaufszettel. Zeit für Mise en Place werde ich dann ja haben. Endlich einmal eine akkurat selbst geschnittene Brunoise zubereiten, statt Sellerie und Rüebli schnell-schnell in der Küchenmaschine zu zerfetzen.

Auf die M-u-s-s-e volle Z-e-i-t zum K-o-c-h-e-n folgt dann natürlich «Mindful Eating», was im betriebsamen Arbeitsalltag nie wirklich gelingen will. Meine Eselsbrücke dafür ist 3 x s und 3 x t: Achtsamkeit bei jedem Bissen für seeing, sound & scent, und texture, taste & temperature. Ans leibliche Wohl ist also gedacht, nur welches Verwöhnprogramm bietet sich für Geist und Seele an?

Wann haben Sie zuletzt einen Liebesroman gelesen? Bei mir sind das gefühlte Ewigkeiten. Jetzt ist die Zeit dafür gekommen. Ich lese den Roman «Du wirst mein Herz verwüsten» – während da draussen das Virus wütet. Er besteht aus 278 aus dem Instagram Account @amours_solitaires ausgewählten Nachrichten anonymer Absender, die eine Liebesgeschichte per SMS zwischen zwei Menschen erzählen. Herzerwärmend. Und darunter ist auch ein SMS (S. 41), wie ich schon sagte: «Und die Fantasie ist das Beste im Leben».


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Tags: Kolumne



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