Kolumne: Ärgernis Konferenz-Badges – Call for Start-up Action

Die Szene kennen wir alle: Eintreffen am Konferenzort und das Namensschild entgegen nehmen. Finden Sie dieses Ding eigentlich gut  so wie es ist?

Ich nicht. Es ist in mehrfacher Hinsicht nicht perfekt. Die häufigste Ausprägung ist die mit dem Band zum Umhängen, d.h. kein Clip und keine Nadel, die im Stoff Spuren hinterlassen würden. Diese Lösung funktioniert für jeden, aber sieht es auch stylisch aus? Wohl nicht. Für mich fühlt sich das Schild am Bande eher wie ein Babylatz an oder als würde man für ein erkennungsdienstliches Straftäterfoto parat gemacht. Nun sind Erscheinungsbild und Gefühle ja nicht so wichtig – das Namensschild soll hauptsächlich praktisch sein. Aber ist es das?

Der Hauptzweck ist, dass man die Leute mit Namen ansprechen kann, insbesondere solche die man kennt, wo einem aber leider gerade der Name entfallen ist. Nur verhält es sich mit diesen Namensschildern wie mit dem Butterbrot, das immer auf die beschmierte Seite fällt. Es hat sich bestimmt verkehrt herum gedreht, so dass man es nicht lesen kann. Selbst wenn es sichtbar und die Schrift gross genug zum Lesen ist, starrt man nicht unbefangen in Richtung Bauch, wo doch Augenkontakt angesagt wäre. Dann irritiert mich noch etwas. Es gehört vielerorts zum guten – amerikanisierten – Ton, dass auf dem Namensschild nur der blanke Name ohne Titel und Stellenbezeichnung steht. Das hat sicher sein Gutes, aber eigentlich will doch jeder wissen, mit wem man ins Gespräch kommt. Wirkt das heutzutage nicht unnatürlich bemüht, wo man in den Xing- oder Linkedin-Profilen ohnehin all das erfährt?

 

Wie kommt man nun vom Problem zur Lösung?

Bei meinen Konferenzbesuchen in letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass es immer einen Vortrag von jungen Leuten aus der Startup-Szene gibt. Deren Spirit soll überspringen. „Hack“ – lautet die Devise. Alles Etablierte ist gnadenlos in Frage zu stellen. Keine Idee ist zu verrückt, um nicht mindestens mal anzufangen mit dem Herumexperimentieren. Da wo sich ein Alltagsärgernis findet, wo etwas umständlich ist, das die Leute nervt, bieten sich beste Gelegenheiten zur Weltverbesserung. Wie man an diesen Tagungen sieht, hängen sich auch die Zukunftsforscher, die Innovationsgurus, Hacker und Maker alle klaglos diese Namensschilder um. Warum werden sie nicht Gegenstand ihrer kreativen Zerstörungsenergie? Was würde Ihnen denn dazu einfallen? Lassen Sie mich schon mal mit dem Design Thinking beginnen. Könnte nicht jeder sein Smartphone nehmen und es auf die Schulter setzen? Das hat man schon bei Hexen gesehen, die mit ihrer schwarzen Katze unterwegs sind. Schauen Sie sich mal die Google Cardboard an. Das ist eine Halterung fürs Smartphone, mit der es sich zur  Virtual-Reality-Brille umfunktionieren lässt. Etwas in dieser Art müsste sich doch auch als Aufsatz für die Schulter gestalten lassen. Ich stelle mir diese Halterung allerdings nicht so pappkartonig vor – dekorativer wäre es, wenn sie wie ein Papagei aussähe. Das digitale Namensschild liesse sich frei gestalten und es könnte mit einer Chatbot-App sogar selber plappern, um z.B. den Eisbrecher für die Smalltalk-Eröffnung zu spielen. Wäre doch sowohl lustig als auch funktional. Wenn also jemand die Kolumne als Call for Start-up Action liest und ein Crowdfunding-Projekt dabei herauskommt, bitte Bescheid sagen. Ich trage dann gerne was zur Finanzierung bei und freue mich, als eine der ersten mit einem sprechenden Konferenz-Badge unterwegs zu sein.



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