Kolumne: Trendscouting Schlafen 4.0

Die Gründerin und frühere Chefin der Huffington Post ist beim Einnicken erst aufgewacht? Wie das? Sie wurde einmal vor Erschöpfung am Schreibtisch ohnmächtig, und als ihr Kopf auf die Tischplatte knallte, brach sie sie sich den Wangenknochen. Auf dem anschliessenden Leidensweg dämmerte ihr, dass man eher durch Schlaf als mit Überstunden Hochleistungen erbringt.

 

Jetzt engagiert sich Arianna Huffington als Botschafterin gegen den Studierenden verbreiteten Ansehenswettbewerb, wer am wenigsten schläft. Das kennt man ja auch aus der Arbeitswelt, wo sich erfolgreiche Menschen damit brüsten, mit vier Stunden Schlaf und weniger auszukommen. Mit ihrer „Sleep Revolution College Tour“ will sie den Weg für eine neue Schlafkultur bereiten, denn Schlafentzug soll ähnlich negative Auswirkungen auf die Lernleistung haben wie Drogenkonsum und Komatrinken.

 

Frau Huffington rät, das Smartphone von der Bettkante zu stossen und auf den klassischen Wecker zurückzukommen. Auch sonst setzt sie nicht auf Mobile und Digital: Sie redet von einer Änderung der Schlafkultur und propagiert z.B. nicht die zunehmend beliebten Schlaftracking-Apps, die sogar ihren Weg ins Gesundheitsmanagement von Unternehmen finden.

 

Zur Thema Schlafkultur also konnte ich kürzlich eine bemerkenswerte Beobachtung machen: Beim Besuch des futuristischen Learning Center der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne – 360-Pano hier – welches auch die Bibliothek beherbergt. Die Lernforschung hat gezeigt, dass ausreichend Schlaf sehr wichtig ist, um neu Gelerntes im Hirn zu verankern und um kognitiv leistungsfähig zu sein. Bibliotheken sind Orte, an denen konzentriertes Lernen stattfindet – auch heute noch: An den Unis werden Bibliotheken sogar räumlich erweitert. Nicht weil es mehr Platz für Bücherregale bräuchte, sondern weil die Studierenden die ruhigen Lernplätze dort schätzen und gerne einen Schreibtisch und Räume für Kleingruppenbesprechungen reservieren. Aber wo macht man nach dem üppigen Lernmahl sein Verdauungsschläfchen? Auch dafür bietet das Learning Center Raum, wobei die Architekten das vermutlich nicht so geplant haben. Die Nutzer/innen wissen sich zu helfen: Überall liegen bunte Sitzsäcke bereit, die sich zu kuscheligen Nestern zusammenhamstern lassen. Wie man am Foto sieht, hat sich für den Lernschlaf ein geeigneter Platz gefunden. Ich fand das nicht störend, und auch niemand anders schien daran Anstoss zu nehmen. Sieh an, dachte ich mir: Schlafen ist hierzulande nicht mehr so peinlich, wie es in diesem NZZ-Artikel heisst.

 

Nach Open-Online-Courses ist Open-Sleeping in öffentlichen Präsenzlernräumen ein neuer Trend – die Open-Bewegung zieht immer weitere Kreise.


Autor:



Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

*