Kolumne: Auswüchse des Open Space Büros – Rennen und Ruhe

Open Space Büros einzurichten, ist gerade schick. Wir vom Institut für Wirtschaftsinformatik sind auch Teil dieser Bewegung – im Januar steht unser Umzug in neue Räumlichkeiten an. Als ich in der Planungsphase sagte, ich würde gerne doch noch zwei Einzelbüros behalten, erntete ich irritierte Blicke. Ich kam mir vor wie hoffnungslos hinterm Mond. Seitdem kämpfe ich wegen meiner gewünschten und gewährten „Extrawurst“ gegen ein latent schlechtes Gewissen. Aber als ich neulich an der Messe Zürich durch die Workplace Strategy Expo lief, machte sich eine stille Genugtuung bemerkbar. Wie das? Hier meine Eindrücke.

 

Die Vision für das zeitgemässe Büro ist ja der grosse Open Space. Wie sieht die top-moderne Einrichtung dafür aus? In der Ausstellung waren sehr viele Möbelstücke zu sehen, mit denen man schallgeschützte Inseln im Grossraumbüro schafft: Ruhesessel mit Astronauten-Helmglocke, Sitzungszimmer im Stil von abgeschirmten Telefonzellen und schliesslich Boxen für den Mittagsschlaf, die mich an Reisebusse mit Schlafkabinen erinnern, in denen Abenteurer unterwegs sind, die sich kein Hotel leisten wollen oder können.

 

Löst man damit nicht Probleme, die man gar nicht hätte, wenn man das mit dem Open Space nicht so übertreiben würde? Überhaupt, der Mensch scheint bei jedem Trend einen Hang zu Extremen zu haben. Nachdem höhenverstellbare Schreibtische, an denen man auch im Stehen arbeiten kann, fast schon wieder ein alter Hut sind, gilt es auch hier noch etwas draufzusetzen. Nicht drauf und nicht zum Setzen, sondern davor und zum Laufen, wie man im Video sieht. Das bringt noch eine Dosis mehr Ruhelosigkeit ins Büro. Wenn das ein Bedürfnis treffen sollte, dann werden wir bald die Fusion von Gym und Co-Workingspace erleben.

 


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