Kolumne: Das Buch in Zukunft – es schlägt zurück

Mit einem Lehrbuch in der Hand, sitze ich am Schreibtisch. Meine Gedanken beginnen zu wandern. Was ich von ihnen vernehme, klingt wie der Beginn einer Märchenstunde:

Es war einmal ein Buch. Das rühmte sich, ein Lehrbuch an der Uni zu sein. Es war voller Buchstaben und stolz auf sein Papiergewicht. Und es war belesen. Die Digitale Revolution, davon hatte es schon gehört, ja darüber war sogar in ihm selbst zu lesen. Einkaufsbummel, Socializing, Taxis und Unterkünfte buchen, nichts war mehr wie es mal war. Das Lehrbuch aber hatte keine Angst. Es war auch nicht einsam, denn viele Hände berührten es. Dennoch spürte es tief drinnen eine Unruhe. Es erinnerte sich an die Begebenheit, als es sah, wie junge Studierende mit gebannten Mienen auf ihre leuchtenden Tablets schauten und diese frohen Mutes anfassten, ja regelrecht streichelten. Das Lehrbuch wurde eifersüchtig. Zur Selbstvergewisserung schaute es in den Spiegel und was es sah, stimmte es traurig: Keine Farbe, kein Foto, kein Spass. Ihm ward zumute, als wäre es gar nicht recht am Leben. Wie gerne hätte es den #Aufschrei getwittert: WARUM vernachlässigt ihr mich so? Und wenn es nicht gestorben ist, dann lebt es auch noch morgen.

 

NEIN! Bitte nicht.

Es ist übrigens gar kein Märchen. Diese Geschichte ist realitätsnah. Was ich in der Hand halte, ist so ein Lehrbuch. Brandaktuell, renommiert – die 10. Auflage hat es schon weit hinter sich gelassen. Und BWL-Bücher dieser Art gibt es viele. (U.a. solche von mir – aber nicht mehr in Zukunft, versprochen.). Auch von Autoren, die in ihrer Forschung die Produkte und Geschäftsmodelle der Digitalen Revolution beschwören, und nicht daran zu denken scheinen, das Buch als innovatives, digitales Produkt oder Service neu zu gestalten.

 

Lassen Sie mich nun zu unserem Märchen-Buch zurückkommen. Als Schluss würde mir ein anderes Happy-End gefallen: Das Buch träumt sich in die Tablet-Zukunft und noch weiter in die 3D-Welt. Und wie die Animation des Illustrators Christoph Niemann zeigt: Dann schlägt es zurück, mitten ins Gesicht des Autors. Wake-up-Call: Jetzt nimm endlich deinen Zauberstab und verwandle mich. Nicht in eine Taube – ein Paradiesvogel will ich sein! So geschah es dann auch – am Ende ward alles gut.

 

(Bild: Christoph Niemann: The Story of my App)


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