Kolumne: Drohnen und Big Data statt Kuhglocken und Big Sounds

In St.Gallen ist gerade OLMA, unser Oktoberfest. Die Abkürzung stammt von der früheren Bezeichnung Ostschweizerische Land- und Milchwirtschaftliche Ausstellung. Auf dem jährlich wechselnden OLMA-Plakat ist in den meisten Fällen eine Kuh, fast immer mit Kuhglocke, zu sehen. Dieses Jahr nicht, das Sujet ist ein Bund Rüebli. Hat das vielleicht mit der Diskussion um Tierquälerei durch Dezibel und das Gewicht von Kuhglocken zu tun? Will man verhindern, dass die wieder aufflammt? Dazu erhitzten sich nämlich im Sommer die Gemüter sowohl in Bayern „Streit um die Kuhglocke“ als auch hierzulande „IG Stiller will Kühe von Glocken befreien“. Was man seit gefühlten Ewigkeiten praktiziert und unhinterfragte Tradition ist, wird plötzlich als entbehrlich betrachtet. Einfach so? Oder vielleicht weil sich plötzlich technische Alternativen abzeichnen?

 

Nein, die waren in dem Fall nicht direkt der Auslöser, sondern eine ETH-Studie zum Fressverhalten von Kühen mit und ohne Glocke. Die technischen Innovationen könnten aber sehr wohl der Anstoss sein. Denn die Glocken sind als Ortungshilfe gedacht, um Kühe auf den weitläufigen, manchmal nebel- oder wolkenverhangenen Alpweiden zu finden. Ortung, mit Tracking, geht digital heute ja anders, mit GPS-Halsbändern zum Beispiel. Ein innovativer Bio-Bauer setzt diese schon ein und bietet den Kunden seiner Kuh-Investments sogar an, jederzeit zu verfolgen, wo ihre Lotti gerade wiederkäut. Noch sind diese Halsbänder gar nicht richtig erprobt, da kommt schon die nächste Generation digitaler Lösungen. Der Artikel „Can Drones Play a Vital Role in Hawaii’s Future“ hat mir die Augen dafür geöffnet, dass diese Flugroboter auch in der Land- und Viehwirtschaft (precision agriculture) nützlich sein können. Voll Neugierde habe ich deshalb das OLMA-Programmheft studiert. Es war aber weder ein Hinweis auf die Kuhglocken-Diskussion noch auf digitale Innovationen zu finden. Ich würde aber wetten, dass sich das bald ändert. Die Digitale Transformation macht auch vor Traditionen nicht halt. Die Tierschützer werden wegen des Glockenthemas nicht ruhen, gerade weil es andere Möglichkeiten gibt. Und ausserdem bieten die digitalen Technologien auch Lösungen für neue Probleme, welche der Tierschutz erst schafft. So gibt es bekanntlich wieder Wölfe in der Schweiz. Die haben sich vor ein paar Tagen erstmals an Vieh herangewagt und ein frisch geborenes Kalb gefressen (Tagblatt Online vom 08.10.). Ein GPS-Halsband würde da wenig helfen, aber eine auf Hütehund programmierte Drohne könnte die Wölfe bestimmt verscheuchen, besser als das Bimmeln einer Kuhglocke.


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