Kolumne: Gut gibt es Ideenklau

Wie schön! Da hat jemand eine von mir lang gehegte Idee bereits umgesetzt, Erich Bohli aus St.Gallen. Wenn man darauf stösst, zuckt man erst einmal zusammen, weil es sich anfühlt wie Ideenklau. Das ist es natürlich nicht. Wenn ein Bedürfnis und die Möglichkeit zu seiner Erfüllung in der Luft liegen, dann ist auch die Umsetzung nicht weit. Ich jedenfalls war hocherfreut, unter der Schlagzeile „Rendez-vous mit meinem Leben“ (St.Galler Tagblatt, 9. April 2015) von der Website „Meet my Life“ zu erfahren. Sie unterstützt beim Schreiben der Autobiographie und speichert sie im Netz – öffentlich einsehbar oder eben auch nicht.

 

Ich wünschte, meine Eltern würden für uns Kinder und ihre Enkelkinder etwas von ihrem Leben aufschreiben, insbesondere wie es in ihrer frühen Jugend so war. Irgendwo auf einer Diskette schlummert eine Textdatei, in der ich vor Jahrzehnten einige Erzählungen meiner Grossmutter festgehalten habe. Vermutlich ist die Datei unauffindbar, wenn ich danach suche, oder nicht mehr lesbar zu decodieren. Heutzutage kann man das anders anpacken. Meet My Life verspricht sichere Speicherung für eine halbe Ewigkeit, und überhaupt kann man auch ohne Enkelhilfe aktiv werden. 500 Fragen, quasi ein ausführliches Selbst-Interview, regen zum Schreiben an. Meine Eltern könnten selbst die Orte ihrer Kindheit besuchen, Fotos und Videos aufzeichnen und dazu erzählen.

 

Bevor ich diesen Vorschlag unterbreite, dachte ich, besuche ich doch als Probelauf erst selbst einmal den Ort, wo ich aufgewachsen bin. Gedacht und am 1. Mai getan und viele Fotos gemacht. Die Erinnerungen sind nun wieder wach. Nur fehlen leider die fotographischen Illustrationen dazu, denn zu Hause stellte ich fest, dass keine Speicherkarte in der Kamera war. Na so etwas, Freud’sche Panne: Das soll mir wohl sagen, dass es für meine Autobiographie definitiv noch zu früh ist.


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