Kolumne: Die Webdienstgeister, die ich rief…

… wie werde ich sie bloss wieder los? In meinem Forschungssemester hat sich zwar die Anzahl der Arbeits-Mails reduziert, aber dafür macht sich eine neue Spezies in meinem Eingangsordner breit. Diese Mails stammen von den vielen für meine Reisen und Aufenthalte hilfreichen Webdiensten. Da kommt ganz schön was zusammen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zum Beispiel die Fluggesellschaften mit ihren Meilenbonusprogrammen, Autovermietungs- und Hotelbuchungsportale, Webdienste für die private Wohnungsvermietung ebenso wie die von gewerblichen Wohnungsmaklern, Online-Einkaufszentren und Bewertungsportale. Und die alle sind ganz schön geschwätzig. Andauernd machen sie mir Angebote, die ganz und gar nicht meine Bedürfnisse widerspiegeln, erzählen mir, was andere bei ihnen für Schnäppchen gemacht haben, oder weisen mich darauf hin, dass jemand auf meine Social-Media-Äusserung reagiert hat.
Man fühlt sich regelrecht verfolgt, aber hat dem ja durch die Weitergabe der E-Mail Tür und Tor geöffnet. Sogar wenn man in einem ganz normalen physischen Laden einkauft oder wie beim Telekom-Anbieter am Selbstbedienungsautomaten sein Prepaid-Telefon auflädt, wird man gefragt: wollen Sie den Kassenzettel per Mail zugesandt haben? Dann bitte hier die E-Mail eingeben. NEIN – will ich nicht!
Natürlich hätte ich mir für all das eine eigene E-Mail-Identität zulegen können, für die ich dann einfach den Ausknopf hätte klicken können, aber wer hätte gedacht, dass es so viele Webdienste werden würden? Mein Tipp: Machen Sie es besser. Es ist nämlich ziemlich aufwendig, in jedem einzelnen Dienst erst mal die Preferences oder die Möglichkeit fürs Löschen des Accounts zu finden oder zumindest bei den E-Mail-Abonnements, wo es geht, NEIN anzukreuzen.Trotz der Nerven, die mich die Segnungen des modernen Web gekostet haben, bin ich insgesamt natürlich enorm dankbar dafür, wie einfach man so seine Anliegen organisieren kann. In einer Aus- oder besser Anderszeit kann man sich von vielem abnabeln, aber definitiv nicht vom Internet, ist jedenfalls mein Fazit.
Ich habe hier in den USA auch die Erfahrung gemacht, dass man sich auf leistungsfähigen Internetzugang und WLAN-Verfügbarkeit absolut verlassen kann. Das kann man selbst von guten Unterkünften in Zentraleuropa nicht behaupten. Selbst im Baumhaus, an der abgelegenen Nordküste von Oahu, hat man Internet. Und im  Volcano Nationalpark, wo eine Holzhaussiedlung keinen Anschluss an zentrale Wasserversorgung hat und man das Regenwasser auffängt, sind schnelles Internet und WLAN selbstverständlich. Das wünsche ich mir auch hierzulande. Und dann habe ich noch einen Weihnachtswunsch an die Technik: Bitte endlich ein Gerät, auf dem man Websites – nicht nur Buchseiten – auch im Tageslicht der freien Natur lesen kann.
Artikelbild von William Beutler, lizenziert unter CC BY 2.0


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