Kolumne: Meinungsumschwung: Bitte Abschalten!

Bei unserem letzten Roundtable mit Unternehmensvertretern habe ich mir verwundert die Augen gerieben, als mein Mitarbeiter ganz selbstverständlich zur Begrüssung seine Hausordnungsfolie aufblitzen liess, die den Gebrauch von Devices verbot. Ein Digital Native gibt den Tarif durch: Kein Handy, keine Tablets, keine Notebooks für die nächsten Stunden.

Schon dieses Erlebnis hat mich aufmerken lassen. Denn bei meinen Lehrveranstaltungen lasse ich die Leute selbst entscheiden, wie sie ihre Zeit im Seminarraum nutzen. Nicht dass es mir nicht auffallen würde, dass einige gedanklich ganz woanders sind. Aber die Nutzung von Devices zu verbieten, wäre mir altbacken vorgekommen.

 

Und jetzt lese ich dies: Clay Shirky, der als Buchautor und Dozent zu Internet-Themen für mich ein Neue-Medien-Guru ist, hat dieses Herbstsemester seine Studierenden aufgefordert, während dem Unterricht keine Laptops, Tablets und Smartphones zu benutzen. Er hat seine Meinung geändert: „Lids down“ ist bei ihm nun ein Muss, keine Empfehlung mehr. Lesen Sie selbst, wie er dazu gekommen ist und was er über die Nachteile von Multi-Tasking schreibt. Auch E-Learning-Guru Elliot Masie hat Shirky’s Essay dankbar aufgegriffen und sagt: „I find myself in strange agreement. While I love to be connected, for the small amount of time that I am in a classroom, I want to be engaged.“ Elliott Masie’s Learning TRENDS 850.

 

Diese drei Vorbilder sind Anstoss genug für meinen eigenen Meinungsumschwung. Den letzten Kick in Richtung Abschalt-Gebot hat mir eine Auseinandersetzung mit meinem Teenager-Sohn gegeben. Er besucht derzeit in USA eine High School mit sogenannten iPad-Klassen. Das Tablet ist Schulbuch, Schulheft, Anschlagbrett, Klassenheft usw. in einem. Es eignet sich allerdings auch hervorragend für Computerspiele. Wenn ich ihm zu Hause wegen exzessiven Gamens die Spielkonsole am Fernseher abgeschaltet habe, gab es Unmut, mit einer Prise Einsicht. Wenn ich ihm nun hier deswegen das iPad abnehmen will, gibt es Unmut mit wütendem Protest, dass er doch die meiste Zeit damit Hausaufgaben gemacht hätte! Also nein, das passt mir nicht: Ich möchte gern die Kontrolle übers Ausschalten behalten, das ging mit Büchern und Heften aus Papier einfach besser.


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