Kolumne: Nichts geht mehr ohne Video

Schon lange bin ich Fan von Online-Videos. Erklärvideos haben es mir besonders angetan. Oft schaue ich mir Tipps an, wie man mit Tools und Vorgehensweisen seine Arbeitsproduktivität verbessert. Hier zum Beispiel ein user-generated Video mit einem genialen Trick für alle, die auch die Küche zu ihren Arbeitsplätzen zählen: Hunderte Tomaten in 2 Sekunden schneiden.

Aber nun zu meinen Ferienbeobachtungen in Waikiki über den Umgang der Leute mit Video. Es war augenscheinlich, dass Video – über verschiedene Nationen und Altersklassen hinweg – ein ganz grosses Ding ist. Ich verstehe die Begeisterung, mit der Surfer, Taucher, Stand-up-Paddler und andere Freizeitsportler eine Action-Kamera mit allen erdenklichen Vorrichtungen am Körper oder an ihren Sportgeräten montieren, um die Momente ihres grossen Wagemuts festzuhalten. Worüber ich allerdings mehr verwundert als bewundernd staunen musste ist, wie viele Touristen ihre Smartphones an speziell dafür gebaute lange Stäbe stecken und zum Filmen vor sich hertragen wie eine Fahnenstange. Vor allem Japaner scheinen das zu mögen: Beim Spaziergang am Strand, beim Einkaufsbummel, bei der Fahrt im Trolleybus. Ja selbst beim Besuch einer Messe in der Kirche ragte so ein Kameraauge in die Luft. Klar, ein Gottesdienst in Hawai’i ist schon etwas Besonderes, aber beim genauer Hinschauen bemerkte ich meinen Irrtum: Die Linse ging nach hinten los: Da entstand ein Video-Selfie, mit Glasmosaikfenster als Hintergrund. Wenn Video-Selfies so populär werden wie die mit Fotos, dann müssen die Wearables-Designer wohl nochmal über die Bücher; mit einer Google-Glass-Brille z.B. kann man keine machen.

Es geht noch weiter mit den Beobachtungen. Freitags strömen viele Touristen zum Feuerwerk des Hilton-Hotels am Strand. Einen rot-grünen Leuchtkörper, den ich spontan für eine Fehlzündung hielt, identifizierte mein Sohn sofort: Schau mal, eine Drohne! Diese sehen Sie auf dem oben stehenden Foto – damit hat ein junges Paar das Feuerwerk aus der Luft gefilmt; die Bedienung scheint einfacher zu sein als einen Drachen steigen zu lassen, und man kriegt dieses Spielzeug ohne Probleme durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen. Last, not least: Nach der Himmels-Show meldete sich dann der Hunger.

Das Restaurant Cheeseburger in Paradise wirkte sehr beliebt und einladend auf uns. Neben den vielen Gästen waren allerdings auch viele Bildschirme um uns herum; deren Gesellschaft scheinen die Amerikaner zu mögen. Raten Sie mal, wieviele Bildschirme? Ganze 21 Stück – am laufenden Meter. Überhaupt, man findet kaum noch bewegtbildfreie öffentliche Orte. Wenn die Wände nicht mit Flachbildschirmen tapeziert sind, dann halten sich die Leute das mobile Äquivalent vor die Augen. Let’s face it: Nichts geht mehr ohne Video. Machen wir was draus!


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