Kolumne: Science Fiction wird unmerklich wahr

Neulich beim Friseur blätterte ich in Magazinen. Mehrere Anzeigen werben da für Schreibkurse, d.h. viele Leute träumen davon, im Leben nicht nur Kinder zu haben und einen Baum zu pflanzen, sondern auch ein Buch zu schreiben. Dabei ist es heute doch so leicht wie nie, eigene Texte zu publizieren. Online-Dienstleister für die Selbstpublikation machen es möglich. Oder man schreibt einfach nur ein Blog. Die Schweizerin Zora Debrunner hat es immerhin geschafft, mir ihrem Blog „Demenz für Anfänger“ für den Grimme Online Award 2014, Kategorie Wissen und Bildung, nominiert zu werden; Fast hat sie diesen Internet-Oskar bekommen.

 

Viele sind sich gar nicht bewusst, wie nah die Realisierung ihrer Fantasien an der Realität ist. Das gilt sogar für Science Fiction; solche Zukunftsträume werden unmerklich wahr, und zwar teils erschreckend schnell, nur anders.

Der Kassenschlager „Avatar“ hat die Sehnsucht verfilmt, in den Körper eines anderen, eines Überwesens, schlüpfen zu können. Das geht ja im Grunde heute schon. Wenn mich jemand in seine Computer-Brille einloggt, kann ich aus der Ferne mitverfolgen, wie diese Person sich bewegt und was sie sieht – ohne Bildschirm oder Leinwand dazwischen. Das fühlt sich bestimmt fast so an, als wäre ich im Körper des anderen.

 

Von der Raumschiff Enterprise Serie kennen wir die Sci-Fi-Technik, sich andernorts hinbeamen zu lassen. Spielerisch kann man das heute schon machen. Lassen Sie sich mit Geoguessr irgendwo auf der Welt aussetzen und finden Sie heraus, wo Sie sich gerade befinden. Und keine Sorge, physisch bleiben Sie da wo sie sind, und alles bleibt dran an Ihrem Körper.

 

Mir fallen dazu noch zwei weitere Beispiele ein: ein Menschheitstraum und ein ganz persönlicher.

 

Wir haben uns doch alle schon mal richtig wütend gefühlt auf jemanden. Wer denkt da nicht an die Vodoo-Puppen und Nadeln, die es ermöglichen, das Wutobjekt zu plagen? Jetzt wo sich Video-Drohnen auch bei Privatleuten zu Verkaufsschlagern entwickeln, braucht es diese Schwarze Magie nicht mehr, um andere rachevoll zu belästigen, nur etwas Fantasie.

 

Und mein ganz privater Traum? Der Gipfel des Luxus, den ich fast täglich sehr geniessen würde, wäre ein Privatchauffeur. Nun, so unerreichbar weit weg scheint mir dieser Wunsch nicht mehr. Das selbstfahrende Auto parkt ja schon um die Ecke.

 

Das also fällt mir zum Thema ein. Und welche Ihrer Sci-Fi-Träume sind im Grunde schon fast Realität?

 

Artikelbild „The Final Frontier“ von wbeem, lizenziert unter CC BY-NC 2.0


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