Mindful Working – Achtsamkeit beim Arbeiten

Aus London habe ich die Nachricht von einer neuen Hit-App: Headspace – eine Meditations-App mit über einer Million zahlenden Nutzern. Da musste ich einfach wissen, was dahintersteckt.

112 getrackte Sitzungen und 31h habe ich schon meditiert. Es gibt sehr viele Themen, z.B. Einschlafen, Spaziergänge oder Grosszügigkeit. Neugierig schaute ich auch mal in den Bereich Arbeit & Produktivität. Dort finden sich u.a. Kurse – das sind Sequenzen mit in der Regel 20 Sitzungen – zu «Fokus finden», «Prioritäten setzen» und «Produktivität». Das klingt ja recht sachlich-funktional und auch leistungsorientiert. Dabei will man durch Achtsamkeit doch einfach nur mehr Wohlgefühl, Zufriedenheit und Gesundheit.

Unter meinen Sitzungen waren auch welche zum Thema «Mindful Eating – Bewusst essen», dieses Thema sei auch eines der beliebtesten in der App. Das glaubt man gerne, denn spricht nicht jeder darüber, und zwar meist mit Unzufriedenheit und dem Wunsch, dass etwas anders werden soll? Essgewohnheiten zu ändern ist aber sehr schwer. Sie werden an dieser Stelle fragen: Was hat dieser Gedankensprung jetzt mit dem Thema Arbeiten zu tun? Nun, damit ist es doch ganz ähnlich. Wen man auch anspricht sagt: Es ist zu viel! Am Abend ist man oft unzufrieden mit sich und wie es gelaufen ist. Auch für die Arbeitspraxis gilt: Die eigenen eingeschliffenen Gewohnheiten zu ändern ist ein sehr schwieriges Unterfangen.

Einen Kurs «Mindful Working» habe ich dann vergeblich in der Headspace-App gesucht. Mit ein bisschen «Tricksen» braucht es den aber auch nicht unbedingt. Ich habe mal getestet, in den von Andy Puddicombe (dem Gründer und in Tibet geweihten buddhistischen Mönch) gesprochenen Einführungen die Worte «eating» durch «working» und «food» durch «work» zu ersetzen. Und ich muss sagen, die Ratschläge und Übungen kann man eins-zu-eins auch für seine Arbeit anwenden. Einige Sätze aus den Anleitungen zu den ersten 10 Sitzungen habe ich hier ausgewählt (Der Kurs «Bewusst Essen» hat insgesamt 30 Sitzungen). Lesen Sie selbst:

  • (Aus Einheit 1): This is not about achieving something. It is about how we change the relationship with the world around us, to be aware of thoughts that drive our behavior.
  • (Aus Einheit 2): We are looking at how we can create the conditions, a framework where we live with awareness and compassion and that simply becomes part of how we relate to food (Anm.: oder “work”) in our life.
  • (Aus Einheit 3 und 5): In that moment of mindfulness, of awareness, we see clearly that we have a choice. When we step back all of a sudden we are creating a space, we are able to see.
  • (Aus Einheit 4): Be clear about intention (gemeint ist die Motivation, warum man überhaupt diesen Kurs macht). Be patient about the process, and along the way be as kind to yourself as possible.
  • (Aus Einheit 6) When we are distracted, it is really difficult to be fully present with any particular activity. It is difficult to be aware how, why, and what we eat (Anm.: oder “work”), when we are distracted in some way.

Am besten gefällt mir eine Anregung aus Einheit 9, dass es ausser Motivation und Achtsamkeit auch Interesse und Neugierde dafür braucht, wo das, was gerade auf unserem Teller ist, eigentlich herkommt, wie es gewachsen ist und zubereitet wurde. Wie wäre es, wenn man sich das auch für die To-dos, die man auf dem Schreibtisch hat, bewusstmacht? Dass es fürs Essen stimmt was ein buddhistischer Mönch uns empfiehlt, kann ich bestätigen: «Bring this sense of curiosity to your eating; it is amazing what it does». Probieren wir es doch aus: Let’s bring this sense of curiosity to our working! Und vielleicht staunen wir, was sich daraus alles Positives ergibt.

Bildquelle: https://www.headspace.com/


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1 Kommentar

  • Jürgen Lauber

    Achtsamkeitskurse für jeden Interessierten gibt es auch bei Top Firmen wie z.B. SAP. Warum braucht es das heute? Haben sich die Verhaltenspräferenzen der Menschen verändert oder ist das Arbeitsumfeld, sprich die Arbeitskultur in Unternehmen schlechter geworden?

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