Kolumne: Von der Kunst, Kunst zu unterrichten

Wo holt man sich am besten Inspirationen für Innovationen in der Gestaltung von Lehren und Lernen? Wie so viele bin ich letztes Jahr ins Silicon Valley gereist, wo der Geist der Digitalisierung so viele Menschen beflügelt, um Experimente und Erfolge zu finden, wie man Schule und Unterrichten neu denken kann. Mich interessierten sogenannte „Lab Schools“. Nicht dass ich unter der Bezeichnung „Lab School“ Programmierlabore gesucht hätte, sondern ich las darin den Anspruch, frei von Regulatorischem zu denken und Innovativen umzusetzen, im Sinne eines fortlaufenden Lernprozesses. Ich traf dann tatsächlich einen inspirierenden Schulleiter, der dann auch für das Eröffnungsreferat am „Tag der Lehre“ unserer Universität in die Schweiz kam.

Wohin nun würde es mich ziehen, um wieder Anstösse für neue Möglichkeiten in der Lehrpraxis aufzuspüren? Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich würde mich gerne an Kunsthochschulen umschauen. Wie ich darauf gekommen bin? Als langjährige Professorin an einer Business School habe ich die verschiedenen Erneuerungen des Ausbildungsprogramms, insbesondere auf Masterstufe, miterlebt. Eine bemerkenswerte Neuerung war vor einigen Jahren die Umbenennung von „Master of Information, Media and Technology Management“ in „Master of Business Innovation“. Im Zuge dessen gewann die Lehrveranstaltung „Design Thinking“ immer grössere Bedeutung. An der Uni ebenso wie in der Praxis geht es darum, Innovation mit digitalen Mitteln und im Umfeld des Digital Age zu gestalten.

So kam mir der Gedanke, dass wir uns auch als Hochschule für Digitale Gestaltung betrachten könnten, so wie es Hochschulen für textile Gestaltung, Holztechnik oder für Kommunikations-Design gibt, die ja auch alle einen engen Wirtschaftsbezug haben. Was liegt also näher als zu fragen, wie man Gestaltung lehrt und lernt? Seit einem Jahr liegt der FAZ-Artikel „Wie lernt man Kunst?“ (Nr. 115, 18. Mai 2017, S. 12 und 13) in meiner Sammelmappe für den Newsletter. Er erschien anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums der Frankfurter Städelschule, einer Hochschule für Bildende Künste, und fragt Ehemalige nach dem Geheimnis ihres Erfolgs. Künstler aus aller Welt erinnern sich. Ich gebe Ihnen hier einige Zitate und Gedanken dazu (in kursiv) als Kostproben.

Haegue Yang: „Die Städelschule kam mir vor wie ein Labor, in dem mit brutal nährstoffreichem Dünger extremes Wachstum produziert wird“. Für Hochschulen wünsche ich mir genug Labor-Charakter dieser Art – oft neigen wir bei der Programmgestaltung zu Overengineering, sprich die Hochschule wird dann mehr vom Bild einer Lernfabrik geprägt. Wolfgang Tillmans: „Es sind Details, die den Unterschied machen, zum Beispiel die Schlüsselkarte, die vierundzwanzig Stunden Zugang erlaubt. … in einer für manchen Künstler wichtigsten Zeitspanne – der Nacht“. Das würden sicher auch viele unserer Studierenden über Nachtarbeit von sich sagen. Kaspar König: „Die Städelschule ist keine Berufsschule“. Willem de Rooij: „Am meisten lernen Studenten untereinander. Deshalb liegt die wichtigste Aufgabe eines Professors darin, dafür zu sorgen, dass sich in seiner Klasse Köpfe, Kompetenzen und Erfahrungen mit den verschiedensten Hintergründen finden.“ Diversität halte ich auch für eine wichtige Quelle von Kreativität, Innovation und Bildung; für sie muss aktiv Sorge getragen werden. In Kunsthochschulen wird in Ateliers gearbeitet. Das wünsche ich mir auch für unsere Lernräume. Schliesslich wird die Digitalisierung mit dem Internet der Dinge und Robotern viel begreif-barer als zuvor.

Wenn Sie meinen Gedankengang vielversprechend finden und ihn gerne weiterspinnen möchten, schreiben Sie doch bitte – an uns alle im Kommentar – wo im Umfeld von Hochschulen für Gestaltung Sie für sich Inspirationen oder Beispiele gefunden haben. Wie kann dort gelebte Didaktik auch auf die Gestaltung digitaler Objekte übertragen werden? Oder wie arbeiten diese Hochschulen überhaupt mit digitalen Mitteln für Lehren und Lernen.


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