Kolumne: Eine Klasse von über 400 Primarschulkindern unterrichten – ist das ein Guinness World Record?

Dez. 2016: In meiner eMail findet sich die Anfrage, ob ich nächsten Herbst einen Vortrag zur www.kinderuni.unisg.ch beitragen würde. Hunderte Primarschulkinder im Audimax unserer Uni! Am liebsten hätte ich mich hinter meinem Bildschirm versteckt und gerufen: Freiwillige – andere- vor! Denn das ist eine didaktische Herausforderung wie ich sie noch nie hatte. Nein sagen? Das ging einfach nicht. Und so fasste ich mir ein Herz, bat um Bedenkzeit für das Thema und schwor mir OK, einmal und nie wieder!

3. Jan. 2017: Man will das Thema von mir wissen. Nur welches meiner Wirtschaftsinformatik-Themen lässt sich kindgerecht für einen 45-minütigen Vortrag aufbereiten? Mobile Geschäftsanwendungen, Organisationale Reife für Digitale Transformation, Work Design oder gar Text Analytics. Welche Ideen hätten Sie denn dazu? Ich nehme mir noch mehr Zeit zu überlegen.

10. Jan. 2017: Ich habs! Im Wissen, dass ich im Frühjahr für einen Forschungsaufenthalt ins Silicon Valley gehe, denke ich: Du machst eine Art Reisebericht zu Google und Konsorten mit vielen Bildern (das hat auch geklappt, siehe Foto). Und so stand der Titel fest: Wer hatte die Idee für Google und Facebook? Könnte auch ich eine Firma gründen?

22. Nov. 2017: Anmeldestand fast 450 Kinder, und heute ist es soweit. Während ich mich im Audimax einrichte, werden die eintreffenden Kinder von Aufsichten vor den geschlossenen Audimax-Türen zurückgehalten. Auf mein Zeichen “Es kann losgehen”, stürmte die Menge hinein wie hungrige Löwen in die Arena, um einen Platz zu ergattern. Das war ein emotionaler Moment, sage ich Ihnen! So fühlten sich vermutlich die Kämpfer bei den Tierhetzen im antiken Rom. Ich hatte meinen Auftritt als Didaktik-Dompteuse in der Kinderuni-Arena, bereit den wilden Feind aller Dozierenden, die kurze Aufmerksamkeitsspanne, zu besiegen. Fragen, Videos und Fotos für dauernde Abwechslung und Aktivierung –  klar, aber das reicht doch nicht. Deshalb eine Frage an Sie: Was alles fällt Ihnen dazu ein? (Meine Nachfolger/innen nehmen das sicher dankbar auf.)

22. Nov, der Vortrag: Wer sich die Vortragsfolien auf Slideshare anschaut, sieht wie es gelaufen ist – es hat funktioniert. Die Schneemensch-Erzählerfigur lag übrigens in Schoggi auf jedem Platz; die  meisten hatten sie schon verspeist, bevor sie überhaupt ihren ersten Auftritt auf den Vortragsfolien hatte. Als ich nach ein paar Minuten merkte, wie die Kinder mitschrieben, eifrig aufzeigten und gebannt der Projektion folgten, fühlte ich mich wie eine Musik-Band, wenn das Publikum mitgeht: Flow! Da kam Lust auf, “ewig” damit weiter zu machen. Aber es muss ja Mal Ende sein; auch mit dieser Kolumne.

Nov., nach dem Vortrag: Zum Schluss deshalb noch zwei weitere emotionale Momente, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. Zum einen: Am Ende des Vortrags kamen Kinder nach vorne, ein Autogramm von mir abzuholen – viele Mädels übrigens (Wow – für mich das erste Mal).

Zum anderen: Fast alle Kinder hatten das Quiz zum Vortrag abgegeben. Unter den richtig ausgefüllten haben wir 10 ausgelost und als Gewinn mit Schoggi gefüllte Päckli zugeschickt. Ein Mädchen hat mit einem Dankebrief und Gegengeschenk geantwortet. Darin steht: “Ich fand es sehr spannend. Hoffentlich kann ich einmal zu Ihnen studieren kommen.” Was will man mehr!  So bleibt mir als Schlusssatz nur noch zu schreiben: Sag niemals, nie (mehr)!


Autor:



1 Kommentar

  • Doris Hoevel

    Ein super geschriebener Bericht, sehr lebhaft, so richtig zum Mitfiebern- und fühlen. Es weckt den Wunsch, wieder Kind zu sein, um in den Genuss der Kinder-Uni zu kommen!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

*