Kolumne: Sehnsucht nach erträglicher Langsamkeit des Seins

Alles muss immer schneller gehen. Mobile Messaging geht flotter als E-Mail. Amazon will uns den Same-Day-Delivery-Dienst beliebt machen. 3D-Drucker für den Hausgebrauch werden uns jeden Wunsch von den Augen abdrucken. Bei Filmen haben wir uns daran gewöhnt, dass die Schnittfrequenz immer höher wird. Allerorten arbeiten Innovatoren und Manager an Prozessbeschleunigungen. Aber was wissen diese „Experten“ schon, was Nutzerinnen und Nutzer wirklich wollen? Aus dem Artikel „Fernsehen im Schneckentempo“ erfahren wir, dass sich in Norwegen das Langsam-Fernsehen als Verkaufsschlager erweist. Viele Leute schalten ein, wenn eine Bahnfahrt in Echtzeit (7 h) oder die Postschifffahrt Hurtigruten (134 h) übertragen wird. Fernsehformate haben Erfolg, bei denen man stundenlang Leuten beim Angeln (24 h) oder beim Stricken (8 h 35 Minuten) zuschaut. Da muss man doch das dominante Design von xMOOCs hinterfragen: Derzeit gilt, dass die zu einem Kurs kombinierten eLecture-Module jeweils möglichst kurz sein sollen. Denn der geneigte Lerner schaut und verdaut nur kurze Knowledge-Nuggets. Wenn aber Echtzeit-Fernsehen im Trend liegt, dann stellt sich die Zukunft von MOOCs doch so dar: Einfach eine Kamera im Audimax installieren und auf Sendung gehen – fertig ist das Echtzeit-MOOC und genüssliches Langsam-Lernen.


Autor:



Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

*